liebe männer

Am: Montag, 6. Oktober 2014

Liebe Männer,

Ich liebe Euch.

Entgegen der Meinung mancher Frauen finde ich nämlich nicht, dass alle Männer Schweine sind. Beziehungsweise, doch, finde ich, aber ich finde das nichts Schlimmes, denn wenn ich zum Beispiel einen tiefen Ausschnitt trage, dann will ich auch, dass man da hinschaut. Ich finde es absolut heuchlerisch, sich über Blicke auf den Busen aufzuregen, nachdem man ihn sich mit einem aufblasbaren Tripple-Luft-Wasser-Bra praktisch unters Kinn gepusht hat. Ausserdem bin ich der Ansicht, dass das Attribut „Schwein“ eher mit dem Charakter eines Menschen zu tun hat und weniger mit seinem Geschlecht.

Hier deshalb meine Liebeserklärung an Euch:

Ich liebe Euch Männer dafür, dass Ihr Euch die Haare mit Seife wascht. Dafür, dass das oberste Tshirt im Regal immer das richtige Tshirt ist. Dafür, dass Ihr auch mit 35 noch eine kindliche Freude daran habt, auf unsere Brüste zu drücken und zu hupen. Dafür, dass Ihr fast schon stolz seid, wenn Ihr Fürze von Euch gebt, die vermuten lassen, dass Ihr innerlich am Verwesen seid. Dafür, dass Ihr in unseren Armen zu sanfteren Wesen werdet. Dafür, dass ein „Nei, es isch nüt“ bei Euch wirklich bedeutet, dass nichts ist. Dafür, dass Ihr uns bis über beide Ohren strahlend erzählt, Ihr hättet die Gurken gebracht, um die wir Euch gebeten hatten und wir dann Zucchetti im Kühlschrank finden.

Danke, dass Ihr nicht wisst, wer Irina Beller ist. Danke, dass Ihr allen, die uns Böses tun, die Fresse polieren wollt. Danke, dass wir manchmal auch Eure starke Schulter zum Anlehnen sind. Und danke für eine endlose Anzahl montierter Lampen.

Ich liebe Euch, Männer.

Sogar meinen Hauswart, den ich regelmässig in im letzten Jahrtausend das letzte Mal gewaschenen Feinripp-Unterhosen und passendem Unterliibli, rauchend und mit einem Bier in der Hand im Lift antreffe – morgens um 7.30. Er nimmt nämlich immer meine Päckli entgegen und legt ein (mehr oder weniger frisches) Blüemli drauf, wenn er grade eins da hat.

Auch den schreienden Surprise-Verkäufer am HB, der mich schon des Öfteren als „Sousiech“ bezeichnet hat, weil er das nämlich immer wieder vergisst und mir jeden Tag „En schöne Abig“ wünscht.

Und auch den chronisch unfreundlichen SBB-Kontrolleur, der alle immer anschnauzt. Von ihm habe ich nämlich einmal ein stoffenes Nastüechli bekommen, als ich im Zug Nasenbluten hatte. Und ich durfte es behalten.

Liebe Männer, dies nun also mein offener Liebesbrief an Euch. Ihr seid fantastisch. Schmutzig, stinkig, laut und nervig. Und einfach wunderbar.

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